Leichtigkeit
Wie gelangen Sie am Ende des MBSR Kurses in die Leichtigkeit?
Diesen Wunsch haben viele MBSR Teilnehmende und so schwer es manchmal am Anfang vielleicht ist, sich vorzustellen, sich wieder leicht und unbeschwert fühlen zu können, es ist machbar.
Am Anfang des Kurses denken viele, „oh was muss ich da leisten, das hört sich schwierig an. Meine Gedanken sind ständig am Rattern. Ich kann gar nicht abschalten.“ Doch dieser Zustand legt sich mit der Zeit. Je mehr Sie das loslassen, was nicht zu Ihnen gehört, wird die Schwere von Ihnen fallen und die Leichtigkeit spürbarer werden. Schichten der Schwere können Erwartungen, Ängste, Glaubenssätze, unverarbeitete Verletzungen, das ständige Bewerten und Kontrollierenwollen sein.
Hier nun der Versuch, die MBSR Entdeckungsreise in drei miteinander verwobene Bewegungen zu erfassen:
1. Die Bewegung des Erlaubens: Vom Kämpfen zum Annehmen
Schwere entsteht oft durch Widerstand. Wir kämpfen gegen das Gefühl der Schwere an, wollen es weghaben, bewerten es als "schlecht". Dieser Kampf ist wie Strampeln im Treibsand – er zieht uns nur tiefer.
- Erlauben, was ist: Zur Leichtigkeit des Seins zu kommen bedeutet, den inneren Kampf einzustellen. Sie schauen auf ein Gefühl von Schwere, Angst oder Traurigkeit und sagen nicht: "Weg damit!", sondern: "Ah, da bist du. Ich sehe dich. Es ist okay, dass du da bist."
- Die Umarmung der Gegensätze: Die Leichtigkeit des Seins ist nicht die Abwesenheit von Schwere. Sie ist die Fähigkeit, die Schwere zu halten, ohne von ihr definiert zu werden. Der Himmel ist nicht weniger weit und hell, nur weil eine dunkle Wolke vorüberzieht. Sie sind der Himmel, nicht die Wolke.
2. Die Bewegung des Identifizierens: Vom Identifizieren zum Beobachten
Wir identifizieren uns normalerweise mit dem Inhalt unseres Geistes: "Ich bin ängstlich", "Ich bin gestresst", "Ich bin nicht gut genug". Diese Identifikation ist das, was die Schwere ausmacht.
- Den neutralen Beobachter kultivieren: Ein Perspektivwechsel radikaler Art: Sie sind nicht Ihre Gedanken, nicht Ihre Gefühle, nicht Ihre Rolle. Sie sind das Bewusstsein, das all das wahrnimmt. Die Leichtigkeit des Seins ist die Eigenschaft dieses Bewusstseins – es ist klar, weit, unbelastet.
- Die Frage "Wer bin ich?": Immer wenn Schwere auftaucht, fragen Sie sich sanft und zugewandt: "Wer in mir fühlt das? Wer ist derjenige, der das gerade als schwer bewertet?" Sie werden vielleicht feststellen, dass da kein fester "Jemand" ist, sondern nur ein Strudel von Gedanken und Gefühlen. Wenn Sie das beobachten, sind Sie bereits der ruhige Grund des Ozeans, während die Wellen an der Oberfläche toben.
3. Die Bewegung des Vertrauens: Vom Kontrollieren zum Fließen
Ein großer Teil unserer Schwere kommt vom Versuch, das Leben zu kontrollieren, es festzuhalten, es so zu machen, wie wir es für richtig halten. Das Leben aber ist ständiger Wandel. Gegen diesen Wandel anzukämpfen ist anstrengend.
- Dem Prozess vertrauen: Leichtigkeit des Seins bedeutet, ein tiefes, fundamentales Vertrauen zu entwickeln – nicht, dass alles immer glatt läuft, sondern dass Sie, egal was kommt, in der Lage sein werden, damit umzugehen. Dass das Leben Sie trägt, wie das Wasser einen Schwimmer trägt, der sich ihm überlässt.
- Loslassen und Angenommenwerden: Es ist das nichts Erzwingen, wertfrei Beobachten und die Dinge akzeptieren und loslassen oder sie beherzt angehen. Dieses "oder" ist entscheidend. Leichtigkeit bedeutet nicht Passivität. Es bedeutet, aus dem Losgelassen-haben heraus zu handeln, nicht aus der Anspannung heraus. Die Handlung kommt dann nicht aus dem Mangel ("Ich muss, sonst..."), sondern aus der Fülle ("Ich darf, weil...").
Wie kommen Sie dahin?
Indem Sie den schnellen, praxisorientierten Weg wie auch den langsamen Integrativen Weg gehen: Sie gehen beide Wege gleichzeitig, aber mit einer neuen inneren Haltung.
- Auf dem schnellen Weg (Praxis) atmen Sie tief durch, spüren die Sonne und lächeln. Aber Sie tuen es nicht mehr, um einen "Leichtigkeitszustand" zu erzwingen, sondern als eine freundliche Einladung an sich selbst, für einen Moment aus dem Kampf auszusteigen und sich an Ihre wahre Natur zu erinnern. Sie üben das "Sein" für ein paar Augenblicke.
- Auf dem langsamen Weg (Integration) schauen Sie sich Ihre alten Muster und Traumata an. Aber Sie tun es nicht mehr mit dem Anspruch, sie "reparieren" zu müssen, um endlich leicht zu sein. Sie tun es mit der Haltung eines freundlichen Gärtners, der den Boden von Steinen befreit, damit die Pflanze, Ihre natürliche Leichtigkeit, von selbst wieder Platz hat, um zu wachsen. Sie entfernen Hindernisse, anstatt zu versuchen, die Pflanze krampfhaft nach oben zu ziehen.
Zusammengefasst:
Zur Leichtigkeit des Seins kommen Sie, indem Sie erkennen, dass Sie nicht derjenige sind, der nach Leichtigkeit sucht, sondern das Leichte selbst sind – verdeckt von den Wolken der Konditionierung. Der Weg dorthin ist das sanfte, geduldige und mitfühlende Auflösen dieser Wolken durch Achtsamkeit, Selbstmitgefühl und das Wagnis, immer wieder loszulassen und dem zu vertrauen, was dann übrig bleibt: Sie, in Ihrer unaufgeregten, weiten und tiefen Friedfertigkeit.




